Klosterneuburg


Gemeinde Klosterneuburg

Ortsgeschichte

Klosterneuburg gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten Niederösterreichs, untrennbar verbunden mit Markgraf Leopold III. dem Heiligen (1096-1136), der hier seine Residenz und ein Kloster errichten ließ, das Stift Klosterneuburg (www.stift-klosterneuburg.at).
Das heutige Stadtgebiet entstand aus drei im 19. Jahrhundert zusammengewachsenen Siedlungskernen: der Oberen Stadt, der frühmittelalterlichen Kirchsiedlung St. Martin und der im 13. Jahrhundert angelegten Unteren Stadt. Im Bereich der Oberen Stadt bestand in der Römerzeit ein Hilfstruppenkastell, das bis zum 5. Jahrhundert besiedelt war. Innerhalb der römischen Mauern entstand im 11. Jahrhundert eine Siedlung, die wahrscheinlich schon den Namen "Neuburg" - im Gegensatz zum alten römischen Kastell - führte. 
Um 1113 ließ Markgraf Leopold III. über den römischen Grundmauern eine Burg errichten und gründete ein Kollegiatstift. Mit der Grundsteinlegung am 12. Juni 1114 kam der Gründungsvorgang in sein Abschlussstadium. Die Kirche wurde 1136 geweiht und war damals die größte des Landes. Von der ursprünglichen Ausstattung existiert noch der siebenarmige Bronzeleuchter. Als Fürstenresidenz war Klosterneuburg nun Zentrum der Hofhaltung, Kultur, Verwaltung und Diplomatie, deren Träger sich aus dem Stiftsklerus rekrutierten. 1133 wurde das Stift durch Einführung der Augustinus-Regel in ein Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt und zu einem Zentrum der Kirchenreform. Der erste Propst Hartmann, später Bischof von Brixen, errichtete auch ein Frauenstift. Als dessen Stifterin gilt Markgräfin Agnes, aus deren Vermögen das Stiftungsgut gestammt haben soll.
Das Andenken des markgräflichen Stifterpaars wurde im Hauskloster hochgehalten. Leopold wurde in der Folgezeit zum pius marchio, zum "frommen Markgrafen", und sein Grab im Kapitelsaal eine Stätte der Verehrung. Die romantische Schleierlegende über die Gründung des Klosters entstand erst im 14. Jahrhundert und erzählt, ein starker Windstoß hätte den Schleier der Markgräfin Agnes verweht. Neun Jahre später fand ihn Leopold unversehrt an einem Holunderbusch, deutete dies als Zeichen Gottes und ließ an dieser Stelle eine Kirche errichten. 1485 wurde Leopold III. heilig gesprochen, 1663 wurde er zum Landespatron.
Auch nach der Verlegung der Residenz nach Wien unter Leopolds Sohn Herzog Heinrich II. "Jasomirgott" Mitte des 12. Jahrhunderts blieb das Stift Zentrum von Kunst und Kultur. 1181 entstand der berühmte "Verduner Altar" des Nicolas von Verdun, um 1220 ließ Herzog Leopold VI. die "Capella speciosa" erbauen, die 1799 abgebrochen und in Schloss Laxenburg eingebaut wurde. Mitte des 15. Jahrhunderts war das Stift ein Zentrum astronomischer und kartografischer Forschung. Die Stiftsbibliothek ist die größte des Landes.
Zu Klosterneuburg gehörte ursprünglich auch das jenseits der Donau um 1100 entstandene Korneuburg, ebenfalls "Neuburg" genannt. 1298 verlieh Albrecht I. beiden Orten ein eigenes Stadtrecht. Er ließ in Klosterneuburg eine neue Burg ("Albrechtsburg") erbauen, die die im späten 13. Jahrhundert ausgebauten Befestigungsanlagen der Oberen Stadt verstärkte. Die Untere Stadt wurde als Markt planmäßig mit Stadtplatz und donauseitig vorgelagertem Ländeplatz angelegt.
Im Mittelalter war Klosterneuburg ein wichtiger Verkehrs- und Handelsort an der Donauüberfuhr sowie bedeutender Weinort. Zahlreiche auswärtige Stifte hatten hier Lesehöfe, die bedeutendste Wirtschaftsmacht war das Stift. Während der Türkenbelagerungen (1529, 1683) boten die Befestigungen der Oberen Stadt Schutz, 1683 konnte sich die Stadt bis zum Entsatz halten. 1805 und 1809 wurde sie von französischen Truppen besetzt. Napoleon selbst hielt sich 1805 kurz im Stift auf.
Nach einer Zeit des Niedergangs in der Reformationszeit erlebte das Stift im 17. und 18. Jahrhundert eine Blüte. Es wurde zum exklusiven Aufbewahrungsort für den von Erzherzog Maximilian im Jahr 1616 gestifteten "Erzherzogshut", der nur zur Huldigung aus dem Stift entfernt werden durfte. Nach den Vorstellungen Kaiser Karls VI. (1711-1740) sollte Klosterneuburg ein österreichischer Escorial werden und Kaiserresidenz und Kloster vereinen. Der monumentale Ausbau nach den Plänen Donato Felice d' Allios begann 1730, wurde aber durch den Tod des Kaisers unterbrochen. Obwohl später nur ein Viertel (!) des Gesamtentwurfs - zwei von insgesamt neun geplanten Kuppeln mit den Kronen der Habsburger - realisiert wurde, entstand ein beeindruckender Bau, der erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgeschlossen wurde.
An der 1768 gegründeten theologischen Lehranstalt des Stiftes wirkten namhafte Theologen, darunter der Chorherr Pius Parsch (1884-1954), der um 1920 Klosterneuburg zum Zentrum der "Volksliturgischen Bewegung" in Österreich machte, die sich in der gesamten katholischen Welt verbreitete und zu einem Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde.
Im Dritten Reich verlor die Stadt ihre Selbstständigkeit und wurde zum 26. Wiener Gemeindebezirk, das Stift wurde aufgehoben (1941-1945). Die Wiedereingliederung nach Niederösterreich erfolgte 1954, wobei die Orte Gugging, Kierling, Höflein, Kritzendorf, Weidling und Weidlingbach eingemeindet wurden. Das Stift ist noch heute einer der größten Weinproduzenten des Landes und verfügt über kilometerlange Weinkeller. Berühmt wurde auch die 1860 gegründete Obst- und Weinbauschule. Mit der 1999 eröffneten "Sammlung Essl" mit 4.500 Werken der Kunst des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts wurde Klosterneuburg zu einem Zentrum internationaler zeitgenössischer Kunst. Neben dem Stift prägen inzwischen auch die in den 1980er und 1990er Jahren errichteten Bauten des Architekten Hans Tesar (Schömer-Haus, "Sammlung Essl", Evangelische Kirche) das Klosterneuburger Stadtbild.